ARAXA ETAPPENRENNEN (BRA)

Den Saisonauftakt in Brasilien beim Etappenrennen in Araxa hatte ich mir etwas anders vorgestellt.    Das Rennen startete vergangenen Freitag mit einem Zeitfahren über eine Cross Country Runde, also ca 20min Renndauer. Ich zeigte eine solide Leistung und konnte mich auf Rang 6 mitten in einem starken internationalen Feld platzieren und meine Kräfte gut einteilen.                                             

Am zweiten Tag wartete dann eine zweite kurze knackige Prüfung auf uns: Ein Short Track Rennen auf einer kurzen Runde mit ca 40min Renndauer. Ich startete stark, konnte mich an zweiter Stelle platzieren und fühlte mich gut. In der zweiten von sechs Runden hatte ich zwar eine kurze Schwäche, konnte mich aber über den Rest der Renndistanz wieder fangen und überzeugte mit einem starken Finish. Ich beendete den Short Track auf Rang 7. Ich zog meine Lehren daraus und beschloss beim abschliessenden Cross Country Rennen am Sonntag etwas verhaltener zu starten um eine konstante Leistung abrufen zu können. Leider kam alles anders.         

Ich positionierte mich zwar zu Beginn des Rennens gut und suchte meinen eigenen Rhythmus, wurde aber bei Rennhälfte von einem Marshalll aufgehalten, der mich auf Anweisung des UCI Kommissärs aus dem Rennen nahm. Ich verstand die Welt nicht mehr, konnte mit dem Marshall aber auf Grund sprachlicher Barrieren nicht kommunizieren und beschloss darauf den Kommissär direkt aufzusuchen. Dieser erklärte mir darauf, dass er mich nach der zweiten Runde nicht hatte durch fahren sehen und so glaubte, dass ich eine Runde ausgesetzt hatte, oder überrundet worden war. Ich war schockiert und hatte vor Verzweiflung Tränen in den Augen. Irgendwie gelang es mir aber ruhig zu bleiben, den Schluss des Rennens abzuwarten und danach in aller Ruhe nochmals mit dem Kommissär zu sprechen. Dieser glaubte sich zwar noch immer im Recht, aber nach Konsultation des Zeitnahme-Systems konnte ich beweisen, dass ich zu unrecht aus dem Rennen genommen worden war. Was folgte war eine grosse Entschuldigung, aber Ratlosigkeit wie die Situation gelöst werden soll, weil weder ich, noch der Kommissär oder der Organisator des Rennens je von einem solchen Fall gehört hatten. Es gelang mir jedoch den Boss des Kommissärs in England ans Telefon zu kriegen und das Problem auf der Stelle zu lösen. Auf gar keinen Fall wollte ich aus Araxa abreisen ohne zu weissen wie die Sache ausgehen wird. Zu wichtig waren mir vor allem die UCI-Punkte für die Weltrangliste, vom Preisgeld mal ganz abgesehen. 

Natürlich weiss niemand wie ich das Rennen schlussendlich beendet hätte, wenn ich hätte zu Ende fahren dürfen. Aber ich bin relativ happy überhaupt gewertet worden zu sein und 80 Weltrangliste-Punkte aus dem Event mitzunehmen. Ich wurde auf Rang 8 in der Gesamtwertung klassiert und konnte mittlerweile einigermassen meinen Frieden schliessen mit der Situation.

Einmal mehr habe ich gelernt, dass man auf Alles gefasst sein muss wenn man an exotischen Orten Bike-Rennen fährt. Auch wenn man meint erfahren zu sein, alles schon erlebt und gesehen zu haben, wird man immer wieder von Neuem überrascht. Flexibilität ist wichtig und wahrscheinlich nicht gerade meine Paraden-Eigenschaft. Ich mag Ordnung und klare Strukturen - das Rennen in Araxa war dementsprechend ein grosser Spielplatz zum diese Eigenschaft zu verinnerlichen. Ich nehme das Positive mit, hacke die Sache ab und mache mich bereits für die kommenden Herausforderungen. Ich werde noch eine weitere Woche in Brasilien weilen zu Trainingszwecken und am Oster-Montag Ende März dann in Milano (ITA) in die europäische Cross Country Saison einsteigen.

Verfasst am 08/03/2016 von Nathalie Schneitter